Reisebericht Burkina-Faso Januar 2019

Die ehemalige französische Kolonie Obervolta – seit 1984 Burkina Faso mit einer Landflächevon 274.000 qkm und 20 Mio. Einwohnern, gehört zu den ärmsten Ländern der Welt.

Leben in Burkina Faso Einmal mehr war die Armut der Menschen in dem Land der „aufrichtigen Menschen“ eine besonders prägnante Reisefeststellung. Seit meinem letzten Besuch hat sich soweit feststellbar kaum sichtbares entwickelt. Auf der anderen Seite haben sich Gefährdungspotentiale, ausgelöst durch Gegner der Demokratie, vergrößert. Angeheizt durch ausländische Al Kaida-Scherken wurden vielfach bürgerkriegsähnliche Konflikte geschürt. Die brachten in einige Regionen, vor allem in den Ausläufern der Sahelzone (Ufer des Sandmeeres) in den Grenzgebieten zu Mali und Niger Tod und noch größeres Elend.

Bemerkenswert ist dennoch, dass die Bevölkerung in den anderen Regionen des Landes die Hoffnung auf eine Verbesserung der unsäglichen Lebensumstände noch nicht verloren hat. Die Menschen im Großraum Koudougou gehören überwiegend dem Volksstamm der Mossi an. Hier leben Christen mit den Angehörigen traditioneller Religionen und Moslems zusammen. Sie alle pflegen ein friedliches Miteinander; was sie vereint, dies ist die überaus große Armut abseits jeden Fortschritts und unserer technischen Errungenschaften, fern jeder Zivilisation!

Tiefbrunnen/Trinkwasser Der eigentliche Reisegrund bestand in der Übergabe des von den Spendern, Unterstützern und Mitgliedern des Hilfsvereines Burkina-Faso-Supporter e.V. finanzierten zweiten Tiefbrunnen in der Region Nassoulou. Mit der Vorort-Unterstützung der Franziskaner-Missionsstationen in Koudougou, Sabou und Nassoulou konnte am 21. August 2018 ein erster Tiefbrunnen hergestellt und 650 Menschen sauberes Trinkwasser zur Verfügung gestellt werden.

Hervorzuheben ist dort das besondere Engagement von Pfarrer Las (Katowice), welcher seit 30 Jahren in Burkina Faso arbeitet und mit den Einheimischen lebt. Er ist zu einem unschätzbar wichtigen Ratgeber und Helfer für die Menschen im Busch geworden.

Am Sonntag, 13. Januar 2019 konnte unsere Delegation mit Karl und Regina Baumann, deren Sohn Andreas, dem Unternehmer Roberto Koudougou aus Ouaga, einem Mitglied der Deutsch-Burkinische Freundschaftsgesellschaft Yamba Frank Kanbou, Frau Edwige Kam und dem Tiefbauunternehmer Gaston Dembele – dessen Unternehmen die bisherigen beiden Brunnen, mit schweren Baugeräten hergestellt hat, an der feierlichen Brunnenübergabe teilnehmen.

Bereits um 6 Uhr Früh brach die Delegation in der Hauptstadt auf um pünktlich zum Beginn des Festaktes am Brunnen II anwesend zu sein. Trotz einer schwierigen Fahrt über unbefestigte, von der Regenzeit gezeichnete schmale Holperpisten, welche für einen normalen PKW unpassierbar gewesen wären, gelang es rechtzeitig vor 9 Uhr in Vi anzukommen. Am Brunnenstandort stand lediglich eine kleine aus einem lehmartigen Gemisch und in Handarbeit erbaute Kapelle; ansonsten waren weit und breit keine Ansiedlungen sichtbar.

Ein Großteil der 1000 Menschen welche in der großflächigen, völlig unerschlossenen Gemeinde Vi in einfachsten Verhältnissen leben, haben sich zu Fuß oder mit alten Fahrrädern ebenfalls auf den Weg zur Kapelle und zum neuerbauten Brunnen gemacht. So begann eine eindrucksvolle Feier, welche mit einem Gottesdienst begann, in der Einweihung des Brunnens einen weiteren Höhepunkt erlebte und schließlich in ein großes Fest für Kinder, Frauen und Männer überging.

Die neue Tiefbrunnenanlage                  Die bisherige Wasserstelle für Menschen und Tiere     Klares Wasser aus dem neuen Brunnen

Bei Reis mit einer Fisch-Zwiebelsoße und einem aus Hirse, Hefe und Wasser selbstgebrauten Bier dem Dollo verbrachte die Dorfgemeinschaft den Tag bis in die Abendstunden gemeinsam am neuen Brunnen. Welche Bedeutung das Trinkwasser in diesem Fall aus 65 Meter Tiefe für die Menschen hat, kann nur erkennen, wer die Möglichkeit der bisherigen Wassserqualität gesehen hat. Ein Wasserlauf, welcher gelbgefärbtes, schmutziges Wasser aus der Regenzeit führt, war die bislang einzige Möglichkeit um überhaupt an Wasser zu kommen. Dass die Menschen, vornehmlich die Kinder davon schlimme Krankheiten davon trugen, dies war die logische Folge.

Die Art wie sich die ca. 600 anwesenden Menschen für die Bereitstellung von sauberem Wasser bedankten machte uns eher verlegen, als dass Freude darüber empfunden werden konnte. Der Orts-Älteste im Namen der Gemeinde, die Kinder, die Frauengemeinschaft, alle wollten sich persönlich bedanken und als Gegengeschenk für den Brunnen wurden vier Hühner und eine Ziege übergeben und die mussten auch angenommen werden obwohl die bitterarme Gemeinde diese Tiere für den eigenen Lebensunterhalt dringender benötigt hätte.

Übergabe der Gastgebergeschenke – vier Hühner und eine Ziege

Kindergarten/Schule Schulprojekte welche vielfach durch deutsche Hilfsvereine unterstützt und gefördert werden entwickeln sich weiter gut, soweit diese nicht durch kriegerische Auseinandersetzungen in ihrer Arbeit behindert werden. In Koudougou konnte ein Kindergarten mit angeschlossener Grundschule besichtigt werden. Die einheimischen Schulleiter der vorzüglich sauberen Einrichtung für über 200 Kinder – Sophie und Michel Kabrè führte unsere Reisedelegation durch die Klassenzimmer in welchen jeweils bis zu 50 Kinder betreut und unterrichtet werden. Soweit die finanziellen Mittel vorhanden sind, erhalten die Kinder auch eine Speisung, der Unterricht ist dank der deutschen Unterstützung kostenfrei.

Diese Einrichtung ist seit vielen Jahren beispielgebend für eine nachhaltige Unterstützung und Förderung von Kindern und jungen Menschen. Unter dem Projektnamen TIKATO ist u.a. das Ehepaar Irene und Rainer Schatz aus Asslar Motor und Ideengeber für diese wichtige Förderung.

Nach der Grundschulzeit können diese Kinder dann in kostenfreie staatliche Schulen überwechseln. Die Zukunftschancen für diese Kinder sind entsprechend gut da bereits ein hohes Grundwissen aufgebaut wurde. Ansonsten gibt es für Kinder welche die wenigen staatlichen Kindergärten und Schulen besuchen möchten kaum Entwicklungsmöglichkeiten, da die Eltern das für Kindergarten und Grundschule fällige Schulgeld nicht aufbringen können oder aber auch der Meinung sind, dass ein Schulbesuch die Chancen für ihre Kinder nicht verbessern.

Hilfsgüter Ein weiterer Besuchsgrund lag in der Verteilung von Hilfsgütern welche im November 2018 in Berghaupten und Gengenbach gesammelt wurden. Die Waren wurden mit einem 7,5-Tonner in Hamburg verschifft. Kurz nach Weihnachten kam der LKW im Hafen Tema in Ghana an. Gerade noch rechtzeitig konnten die Fahrer mit dem Fahrzeug am Sonntagabend in Ouaga eintreffen, so dass am Montag, 14. Januar die Verteilung von Kleidung, Schuhen, Sportartikeln, Spiel- und Schreibwaren, einer großen Trommel, sowie eines Kicker-Automaten an die Bedürftigen im Raum Nassoulou vorgenommen werden konnte.

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Handwerk Mit 30 großen in Burkina Faso handwerklich gefertigten bunten Einkaufstaschen, welche bei unseren Veranstaltungen zum Kauf angeboten werden und deren Verkaufserlös wieder Menschen in Burkina zu Gute kommt, ging es am späten Abend mit der Brüssel-Airline und der Lufthansa zurück nach Frankfurt wo gerade ein Streik des Sicherheitspersonals den abgehenden Flugverkehr lahmlegte. Bei dem Streik ging es natürlich nicht um Verbesserungen für die 3. Welt, sondern darum, dass der Stundenlohn der Streikenden von 17,00 auf 20,00 €/Stunde angehoben wird während das durchschnittliche Einkommen in Burkina Faso bei ca. € 60,00/Monat liegt!

Mit diesem Reisebericht wird für eine weitere freiwillige Hilfe für die Menschen in Burkina Faso aufgerufen. Unterstützer werden gebeten, sich per eMail zu melden (sr@seilerberghaupten.de), damit gemeinsam weitere Überlegungen angestellt werden können, welche Maßnahmen der Armutsbekämpfung in Burkina Faso möglich sind. Werden auch Sie „Burkina Faso Supporter“.

Nur wenn wir alle unsere Kräfte bündeln, wird es möglich sein, das unendliche Elend in Burkina Faso zu mildern und Fluchtgefahren in Richtung Europa zu minimieren, sowie den trotz der großen Not immer freundlich lächelnden Menschen in Burkina Faso zu helfen.

Rudolf Seiler, Lindenstraße 29, D-77791 Berghaupten – Mobil: 0049 160 7189500