Die ehemalige französische Kolonie Obervolta – seit 1984 Burkina Faso (Landfläche: 274.000 qkm / Einwohner: 19 Mio.) gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Zusammen mit meinem Enkelsohn Marvin (18) stattete ich diesem Land und seinen Menschen in der ersten Novemberwoche 2017 einen Besuch ab. Ohne die permanente wie kenntnisreiche Begleitung des Bau-Ing. Karl Baumann, seiner Frau Regina und ihres Sohnes Andreas wäre diese Reise in eine für uns völlig unbekannte Welt nicht realisierbar gewesen. An vielen Stellen dieses Landes wurden während der Reisetage auch vermeintliche Fehlentwicklungen sichtbar. Nicht immer wird Entwicklungshilfe sinnvoll eingesetzt und auch das europäische Engagement ist nicht überall erfolgreich. Die Geldgeber sind wohl der Meinung, dass hier Straßen und Wohnungsbau, wie auch technische Einrichtungen dem europäischen Standard zu entsprechen hätten. Damit wird viel Geld, welches anderweitig wirkungsvoller für die Menschen eingesetzt werden könnte, „vergraben und verbaut“. Besonders deutlich wurde ein Baufehler bei einer stadteinwärts führenden Straße in die Hauptstadt, welche sich derzeit im Bau befindet. Für den Bau dieser Straße wurden 475 wertvolle Bäume gefällt, nur um eine gerade Straße bauen zu können, welche jedoch auf die Geschwindigkeit von 30 bzw. 50 km/h begrenzt wird. Einige Kurven hätten hier nicht geschadet und zudem den Verkehr beruhigt. Auf der neuen geraden Straße werden sicher wieder, wie im gesamten Land, gewaltige Schwellen eingebaut, um die Geschwindigkeiten zu reduzieren. Diese „Verkehrshindernisse“ bringen jedoch nicht nur einen hohen Verschleiß an den ohnehin älteren Fahrzeugen, sondern auch eine hohe Luftverschmutzung mit sich. Zudem ergeben sich hohe Energieverluste und sofortige Straßenschäden durch das ständige Abbremsen und Anfahren. Diese Staub- und Lärmemissionen werden besonders vom Schwerlastverkehr, welcher mit bis zu neun Achsen und Gesamtgewichten zwischen 50 bis 100 to unterwegs ist, zwangsläufig verursacht. Chancen des Landes liegen aus meiner Sicht mittelfristig in der Funktion als Drehkreuz zwischen den Häfen und Produktionsanlagen der Elfenbeinküste, Ghana, Togo, Benin nach Niger und Mali und von dort zurück in die Häfen, wie auch in den nordafrikanischen Wirtschaftsraum. An den neu geschaffenen und noch zu bauenden Überlandstraßen entstehen neue Absatzmöglichkeiten für die Versorgung der Reisenden z.B. mit Gemüsen, Obst und Fleisch, wie auch für Fahrzeugserviceanlagen, Tankstellen, Rastplätzen und Hotels. Ein Schienennetz und damit Eisenbahnverkehr ist im Land nicht erkennbar, auch ein öffentlicher Nahverkehr ist selbst in der Hauptstadt nicht vorhanden. Im Moment versucht man mit alten Omnibussen aus befreundeten Ländern zumindest teilweise feste Routen in der Stadt anzufahren. Die vorhandenen grünen und zum größten Teil verkehrsunsicheren Taxis, welche gesichtet wurden, befördern die Menschen nicht zu variablen Zielen, sondern lediglich von und zu festgelegten Abfahrts- und Endstellen. Der Bau weiterer Staudämme ist für die Rückhaltung des Regenwassers, welches in der Regenzeit noch reichlich ankommt, unabdingbar. Damit erhalten die Bauern Zugang zum lebensnotwendigen Wasser, mit welchem sie dann ganzjährig Felder bewässern und Viehherden tränken können. Der mögliche Anbau von Gemüse wie Bohnen, Paprika, Reis, Zwiebeln, von Obst (Mangos, Papaya, Zitronen, Melonen), sowie Baumwolle aber auch der Absatz von Schafs-, Lamm-, Ziegen-, Kuh- und Hühnerfleisch, wird die Lebensgrundlagen verbessern. Dazu muss allerdings auch noch der artgerechte Umgang mit Tieren vermittelt und Schlachthöfe, wie auch Kühlhäuser erbaut werden. Burkina Fasos Tierwelt ist reich. Selbst Krokodile können derzeit, so kurz nach der Regenzeit in Citynähe von „Ouaga“ in freier Natur gesichtet werden. Die Sicherheitslage ist im gesamten Land angespannt. Besonders die Grenzgebiete zu Mali und Niger sind kaum noch zugänglich; der IS-Terror hat Burkina Faso erfasst. Nach den Anschlägen auf die Restaurants Cappuccino und Istanbul – beide in Ouagaoudou mit sehr vielen Toten, werden die wenigen für Europäer zugänglichen Lokale polizeilich, mit Wachmannschaften und strengsten Personenkontrollen geschützt. Eines der größten und drängenden Probleme des Landes ist die mangelnde Hygiene. Um diese zu verbessern, muss schnell und massiv geholfen werden. Jeder Burkinabe hat Malaria, die Erkrankung fordert jährlich viele Todesopfer. Gerade in jüngster Zeit ist das Dengue-Fieber, eine schlimmere Form der Malaria, wieder verstärkt aufgetreten. Die Burkinabe sind geschickte Handwerker und Mechaniker. Fahrzeuge, welche auf den Straßen des Landes liegen bleiben, werden vor Ort repariert. Das Wechseln der Achsen und der Federung bis hin zu Motorreparaturen auf freier Strecke, gehört zu den täglichen Herausforderungen. Die landestypischen kunsthandwerklichen Arbeiten können sich sehen lassen. Skulpturen, Masken, Schmuck, Taschen und vieles mehr kann im Kunstcenter in Ouagadougou, aber auch direkt an den Straßen im gesamten Land erworben werden. Frauen – auch im Busch sind teilweise mit Nähmaschinen ausgestattet und tragen auf diese Weise zum äußerst bescheidenen Lebensunterhalt bei. Auf den zum Teil bewirtschafteten Feldern wird auch Baumwolle angebaut, derzeit sind die Einheimischen dabei, die Ernte einzufahren. Innerhalb der sieben Reisetage, welche von morgens bis abends voll mit Terminen und Begegnungen ausgefüllt waren, stand der Besuch der folgenden Stationen/Organi-sationen fest auf dem Reiseplan:

Staudamm

In Samendeni (Provinz Mouhoun), welches ca. 50 km nördlich der zweitgrößten Stadt Bobo-Dioulasso liegt entsteht ein großer Staudamm, welcher kurz vor der Fertigstellung steht. Ab dem kommenden Jahr wird es dann möglich sein, die aus der Regenwasserrückhaltung gestauten Wassermengen für den landwirtschaftlichen Bereich und hier vor allem für den Reisanbau zu nutzen.

Kindergarten

Der Kindergartens „Louis“ befindet sich im äußersten Stadtgebiet der 2 Mio.-Landeshauptstadt. In dem gut geführten Kindergarten, welcher von dem Offenburger Unternehmer Louis Fischer gegründet und auch heute noch betrieben wird, wurden gespendete Farb- und Schreibstifte, Papier, Fußbälle und Kinderkleidung übergeben.

Zinkerzmine

Ein interessanter Besuch stand in der Glencore-Zinkerzmine in Sanguie (Nähe Koudougou) an. Dort werden von 600 Mitarbeitern täglich 2.000 to. Zinkerz unter Tage abgebaut und verarbeitet. Der Produktionschef Hein Frey, ein gebürtiger Südafrikaner mit deutschen Wurzeln, führte durch die Mine des Schweizer-Rohstoffkonzerns und gab die notwendigen technischen Erläuterungen.

Operndorf

Das von Christoph Schlingensief finanzierte und von dem Burkinabe Stararchitekten Francis Kéré geplante „Operndorf“ in Ziniare war weiteres Ziel zur Besichtigung. Das Projekt konnte nach dem Tod von Schlingensief vermutlich nicht mehr in vollem Umfange der vorherigen Bestimmung gemäß umgesetzt werden, dennoch werden dort derzeit 209 Schülerinnen/Schüler von acht Lehrkräften unterrichtet. Eine Köchin sorgt in den Mittagsstunden für eine warme Mahlzeit für die Kinder aus den Busch-Siedlungen der Umgebung. Im Juni dieses Jahres wurden vier Solarkocher zusammen mit anderen Hilfsgütern, sowie mit Stahl und Reifen nach Burkina Faso geliefert. Die Solarkocher sollten von verschiedenen Personen und Organisationen auf Brauchbarkeit getestet werden. Im Rahmen dieser Reise wollten wir uns ein Bild vom Betrieb und dem Wirkungsgrad der Solarkocher machen und besuchten deshalb auch die Aufstellorte.

Afric Beton

In dem Wohnheim des Unternehmens Afric Beton haben die dort arbeitenden Einheimischen Ouaba und Ouattara, auf Vermittlung von Karl Baumann, die Aufgabe des Zusammenbaues übernommen. Beide sind mit ihren Arbeitskollegen von der Wirkung dieses Solargerätes voll überzeugt. Dies umso mehr, als dass in Burkina Faso die Sonne, bis auf wenige Ausnahmen, ihre Strahlung abgibt und so kostenlos Energie erzeugt wird. Von diesen beiden Mechanikern wurden auch die weiteren drei Solarkocher montiert und den Nutzern die notwendigen Erklärungen zum Betrieb gegeben. Sollten Wartungsarbeiten oder Reparaturen an den einfachen Geräten anfallen, so werden diese ebenfalls von den beiden durchgeführt, um so den Betrieb der Kocher langfristig sicherzustellen. Dies kann auch bei weiteren Solarkocher-Spenden so gehandhabt werden.

Frauenhaus

15 von ihren Familien verstoßene Frauen leben dort mit ihren kleinen Kindern in einer betreuten Anlage. Die Kinder haben die Möglichkeit in der Nähe einen Kindergarten bzw. Schule zu besuchen. Ein Solarkocher – mit welchem die tägliche Nahrung gekocht wird – leistet dort anstelle von Strom- und Gas-Energie bzw. von Holz wertvolle Dienste.

Behindertenheim

Die Leiterin des Behindertenheimes Agnes, selbst eine beinmamputierte Frau, betreut mit zwei weiteren Kräften ca. 25 Behinderte Jugendliche, Frauen und Männer. Während die drei sogenannten Hauptamtlichen von einer französischen Organisation mit je ca. 120 € pro Monat, noch bis Jahresende 2017 finanziert werden, müssen die Behinderten ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung von Webwaren, Trockenfrüchten und Konfitüren selbst bestreiten. Mit dem Solarkocher wird Wasser gekocht. Damit werden die gebrauchten Gläser sterilisiert und Marmelade hergestellt. Zu erwähnen ist, dass es in Radolfzell am Bodensee eine Hilfsorganisation für dieses Behindertenheim, mit dem Namen Ouaga-zell gibt. Diese Orga vertreibt mehrmals jährlich Produkte, welche in dem Heim hergestellt werden.

Familie Rasmane

Der Angestellte im Sicherheitsdienst, stellte in seinem Haus den Solarkocher vor. Die gesamte 7-köpfige Familie ist von dem Solarkocher begeistert, zumal dieser kostenlos innerhalb von ca. 20 Minuten Wasser zum Kochen bringen kann und sich damit sehr schnell warme Speisen herstellen lassen.

Minimolkerei

Bei einem Vortrag im Weltladen Regentropfen in Offenburg in diesem Frühjahr, lernte ich die Leiterin der Molkerei Frau Miriam Diallo aus Bittou kennen. Aus dieser Begegnung leitete sich nun dieser Besuch bei den Frauen in der Bittou ab. Das größte Problem für die gesamte Milchproduktion des Landes besteht in den Billig-Milchprodukt-Lieferungen der EU-Überschüsse auch nach Burkina Faso, so dass dort kaum eine vernünftige Basis für die eigene Produktion gegeben ist. Knackpunkt in Bittou sind dabei die hohen Energiekosten für das Abkochen der Milch. Zwei Solarkocher wurden zur sofortigen Lieferung ab Deutschland nach Bittou zugesagt, so dass der Wettbewerbsdruck durch die Einsparung von Gas/Strom etwas geringer wird. Aktuell werden von den fünf angestellten Frauen täglich ca. 200 Liter Milch verarbeitet. Am Dienstag, 14. November 2017 werden die beiden Solarkocher als Beiladung auf einer LKW-Ladung zusammen mit anderen Hilfsgütern via Hamburg über Tema/Ghana nach Burkina Faso befördert.

Franziskaner-Missionsstation

Auf Vermittlung von Erzbischof Wiktor Skworc aus Kattowice wurde der Missionsstation in Sabou unter Leitung des Franciskanermönches Silwestre ein Besuch abgestattet. Die Mönche betreuen Kinder, führen eine Krankenstation und bemühen sich erfolgreich um Erwachsenenbildung. In den vergangenen Jahren wurden in der näheren und weiteren Umgebung des Klosters 40 Brunnen im Busch gebohrt und den Einheimischen zur Verfügung gestellt. Für das kommende Jahr stehen Spenden für einen weiteren Brunnen zur Verfügung. Wasser wird aus einer Tiefe zwischen 60 und 100 Metern über eine Rohrleitung via Handpumpe gefördert und dient den dort lebenden Großfamilien in vielfältiger Weise. Die Menschen in Burkina Faso benötigen unsere Hilfe! Im Raum Freiburg werden von einer Hilfsorganisation BF-Mangos verkauft und der Zusatzerlös gespendet. Das Gymnasium in Hausach ist seit vielen Jahren ebenfalls in Sachen Unterstützung für und in Burkina Faso unterwegs, um die Not der Bevölkerung zu lindern. Über diesen Reisebericht wird für eine weitere freiwillige Hilfe für die Menschen in Burkina Faso aufgerufen. Unterstützer werden gebeten, sich per eMail zu melden (seilerberghaupten@gmail.com), damit gemeinsam weitere Überlegungen angestellt werden können, welche Maßnahmen der Armutsbekämpfung in Burkina Faso möglich sind. Werden auch Sie „Burkina-Faso-Supporter“. Hilfe wird beim Kauf weiterer Solarkocher benötigt. Damit werden die Baumbestände nicht weiter reduziert und zudem das Weltklima nicht noch negativer beeinflusst. Der weitere Brunnenbau, eventuell über bereits tätige und erfahrene Organisationen sollte überlegt und nach Möglichkeit mit Spenden unterstützt werden. Nur wenn wir alle unsere Kräfte bündeln, wird es möglich sein, das unendliche Elend in Burkina Faso – dem Land wörtlich übersetzt „des aufrichtigen Menschen“ zu mildern und Fluchtgefahren in Richtung Europa zu minimieren, sowie den trotz der großen Not immer freundlich lächelnden Menschen in Burkina Faso zu helfen. Rudolf Seiler Lindenstraße 29 77791 Berghaupten Mobil: 0160 7189500